Mental Health im Studium - Ein Überblick

Logo Uniwunder

von Diana, 22. September 2020, aktualisiert am 27. März 2025

Logo Uniwunder

Diana, 22. September 2020, aktualisiert am 27. März 2025


Das Thema Mental Health war lange Zeit ein Tabu. Doch die Zahlen zeigen: Es gibt Redebedarf! Laut dem Deutschen Zentrum für Hochschul- & Wissenschaftsforschung zusammen mit dem Deutschen Studierendenwerk ist der Anteil von Studierenden mit psychischen Erkrankungen zwischen 2016 und 2021 von 53% auf 65% angestiegen - das ist ein mächtiger Teil von Studierenden. Dabei ist die Tendenz weiterhin steigend. Das Thema Mental Health wird also im Alltag immer relevanter - vielleicht auch für dich? Die Ergebnisse unserer Instagram-Umfrage legen diese Annahme auf jeden Fall nahe.

Wir finden jedenfalls, dass diese Zahlen es rechtfertigen, über das Thema Mental Health zu sprechen. Mit diesem Artikel möchten wir dir dafür zunächst einen Überblick über das vielschichtige Thema geben und dich über die wichtigsten Zusammenhänge informieren.

Umfrage Instagram zum Thema Mental Health Hochschulinitiative Deutschland

Umfrage Instagram zum Thema Mental Health Hochschulinitiative Deutschland

Was ist Mental Health?

Der Begriff „Mental Health“ wird immer mehr zum Buzzword. Viele sprechen darüber, doch niemand weiß so genau, worum es dabei eigentlich geht. Laut Wikipedia beschreibt der Begriff „Mental Health“ - oder auf deutsch „psychische Gesundheit“ - den „Zustand des Wohlbefindens, in dem eine Person ihre Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und einen Beitrag zu ihrer Gemeinschaft leisten kann.“ Das klingt ziemlich ideal und tatsächlich befindet sich kaum jemand durchgehend in diesem Zustand. Durch bestimmte Faktoren wird die psychische Gesundheit mal mehr, mal weniger belastet. Das können biologische Faktoren, zum Beispiel genetische Vorbelastungen, Umwelteinflüsse, wie Leistungsdruck, oder prägende Ereignisse, wie beispielsweise der Tod eines nahestehenden Menschen, sein. Diese Faktoren führen dazu, dass sich bestimmte Symptome einstellen und die mentale Gesundheit je nach Belastbarkeit des Betroffenen und der Intensität der Einflüsse beeinträchtigt wird.

Was schadet der Mental Health?

Gerade im Studium gibt es einige dieser Faktoren, die die psychische Gesundheit beeinträchtigen können: Leistungsdruck, Zukunftsangst oder finanzielle Sorgen sind wohl die klassischen Ursachen für eine erhöhte psychische Belastung. Aber auch Stress - durch Zeitdruck, Prüfungsangst oder eine erhöhte Belastung durch einen Job neben dem Studium - ist eine häufige Ursache für Mental-Health-Probleme. Zudem können bestimmte belastende Lebenserfahrungen oder Ereignisse psychische Störungen auslösen. Die Trennung von einem Partner, der Tod einer nahestehenden Person oder die Diagnose einer schweren Krankheit können solche Ereignisse sein.

Anteil von Studierenden mit ausgewählten psychischen Belastungen

Welche Folgen hat die Beeinträchtigung der Mental Health?

Wenn die mentale Gesundheit durch die genannten oder andere Faktoren negativ beeinflusst wird, können dadurch geringe, aber auch sehr schwerwiegende Folgen sichtbar werden. Einige Studierende leiden aufgrund des Drucks und der Ängste beispielsweise an Schlafstörungen, innerer Unruhe oder extremer Reizbarkeit. Bei anderen führt die Beeinträchtigung dagegen zu psychischen Störungen.

Psychischen Störungen und Verhaltensstörungen lassen sich also in verschiedene Arten von Erkrankungen einteilen. Hier ein kleiner Überblick:

Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen

In diese Kategorie fallen die meisten Diagnosen bei den 18- bis 25-Jährigen. Gemeint sind hier sogenannte somatoforme Störungen, die sich in Angststörungen, Zwangsstörungen oder Burnout-Symptomen äußern.

Affektive Störungen

Zur Kategorie der affektiven Störungen gehören vor allem emotionale Störungen. Die am häufigsten gestellte Diagnose in dieser Kategorie ist die Depression. Wie die folgende Auswertung zeigt, hat sich die Häufigkeit dieser Krankheit innerhalb kürzerster Zeit drastisch erhöht.

Grafik zu depressiven Episoden unter jungen Menschen

Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen

Der Titel klingt verwirrend, gemeint ist jedoch schlicht der Drogenkonsum. Am häufigsten treten in dieser Kategorie Störungen durch Tabak auf. Aber auch der Konsum von Alkohol, Cannabis oder anderen Stimulanzien wurde hier als Ursache für psychische Störungen erfasst.

Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen

Eher seltener werden auch Auffälligkeiten mit starken körperlichen Folgen diagnostiziert. Häufig handelt es sich hier um Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen oder auch Essstörungen, wie Magersucht und Bulimie.

Verhaltensstörungen mit Beginn in der Kindheit

Zunehmend werden auch immer mehr Störungen diagnostiziert, die schon in der Kindheit ihren Anfang nehmen. Eine der häufigsten Diagnosen ist hier die sogenannte hyperkinetische Störung, besser bekannt als ADHS.

Ergebnisse Umfrage Probleme im Studium

Ergebnisse Umfrage Probleme im Studium

Was kann man tun, um die Mental Health zu stärken?

Wer von einer dieser Diagnosen betroffen ist, sollte die Krankheit nicht auf die leichte Schulter nehmen. Suche dir Unterstützung und lass dich beraten, um einen Weg aus dieser Situation zu finden. Die notwendige Hilfe bei psychischen Belastungen ist natürlich von Diagnose zu Diagnose unterschiedlich. Dennoch gibt es einige Angebote, die du nutzen kannst, um deine Mental Health wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Wo du die Hilfe finden kannst, stellen wir dir hier vor:

Beratungsstellen

Die meisten Universitäten oder Studierendenwerke bieten spezielle Beratungsstellen für psychosoziale Probleme an. Hier findest du erste Unterstützung, wenn du selbst von Mental-Health-Problemen betroffen bist. Du bekommst hier Hilfe und Informationen zu Ärzten und Therapien, die für deine Situation passend sind.

World Mental Health Day

Auch die World Health Organization (WHO) hat die Bedeutung des Themas erkannt und ruft jedes Jahr am 10. Oktober den „World Mental Health Day“ aus. An diesem Tag finden weltweit Aktionen zum Thema Mental Health statt und bieten allen Interessierten und Betroffenen eine Plattform, um über dieses Thema zu sprechen und sich auszutauschen. Auch an einigen Universitäten wird dieser Tag zum Anlass genommen, um den Studierenden eine Anlaufstelle zu bieten. Schau einfach mal in den Veranstaltungskalender deiner Uni, ob du entsprechende Aktionen findest.

Soziale Unterstützung

Wenn du das Gefühl hast, dass dich deine mentalen Probleme überfordern, ist es wichtig, Unterstützung zu suchen. Egal, ob es Freunde, Familie, Kommilitonen, Berater, Ärzte oder andere Menschen sind - sprich mit ihnen über deine Probleme und such dir Hilfe! Auch Social Media kann (mit Vorsicht) spannende Anlaufstellen bieten.

Apps zur Unterstützung

Wenn du bereits in einer Therapie bist oder dich und deine Situation erst einmal selbst reflektieren möchtest, gibt es einige Apps, die dich dabei unterstützen können. Mit Apps wie „stoic.“ oder „How We Feel“ kannst du deine Stimmung tracken und deine Gedanken sortieren. Du bekommst positiven Input und kannst dir selbst über deine Situation bewusst werden. Meditation und Achtsamkeit sind im Bereich Mental Health ebenso zentral. Es gibt zahlreiche Apps, die dir dabei helfen, zur Ruhe zu kommen und dich auf deine Stärken zu fokussieren. Probiere doch mal „Headspace“, „Insight Timer“ oder „7Mind“.

Auch für spezielle Diagnosen gibt es Apps und Online-Angebote, die unterstützend genutzt werden können. Ein Beispiel ist „moodgym“. Dieses Online-Tool soll Nutzer mit depressiven Symptomen unterstützen und Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. Wissenschaftlich basiert und interaktiv wird hier einer Depression vorgebeugt oder bei der Überwindung geholfen.

Du willst mehr erfahren? - Mental Health als Studium

Wenn dich der Bereich der psychischen Gesundheit interessiert und du dich auch beruflich mit dem Thema beschäftigen möchtest, kannst du Mental Health auch studieren. An verschiedenen Unis werden Studiengänge angeboten, die dich zu einem Profi in Mental-Health-Themen machen. Beispiweise an der Fachhochschule der Diakonie Bielefeld:

Bachelor: Psychische Gesundheit / Psychiatrische Pflege - Fachhochschule der Diakonie Bielefeld

Master: Community Mental Health - Fachhochschule der Diakonie Bielefeld

Fazit: Mental Health betrifft uns alle

Irgendwann werden Dinge aus deiner Umgebung auf deine mentale Gesundheit Einfluss nehmen. Sei es die knappe Deadline, die Absage für einen Praktikumsplatz oder die Erwartungen deiner Eltern - jeder von uns ist solchen Einflüssen ausgesetzt.

Umso wichtiger ist es, dass wir auf unsere Mental Health achten, dass wir Methoden kennen und anwenden, die zu unserer psychischen Gesundheit beitragen und dass wir auch eine entsprechende Sensibilität dafür entwickeln, bei anderen Belastungen der Mental Health zu erkennen. Die Statistiken zeigen nämlich, dass nicht nur bei den Studierenden, sondern in jedem Alter die Diagnosen im Bereich der mentalen Belastungen zunehmen. Wir sehen die psychischen Krankheiten deshalb als gesellschaftliches und sogar globales Problem, zu dessen Lösung jeder von uns seinen kleinen Beitrag leisten kann. Also lasst uns darüber reden und jeden Tag zum Mental-Health-Day machen!