Depression im Studium: Was sind die Warnsignale & wie kann ich Hilfe bekommen?

Hochschulinitiative Deutschland

von Petra, 07. Oktober 2021, aktualisiert am 27. März 2025

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von Petra, 07. Oktober 2021, aktualisiert am 27. März 2025


Der Zeit- und Leistungsdruck im Studium nimmt immer weiter zu. Stressige Prüfungsphasen, Zukunftsängste und Erschöpfung prägen häufig das Student*innenleben. Klar - traurig, gestresst und erschöpft ist jeder mal - hält dieser Zustand jedoch dauerhaft an, spricht man von einer Depression. Was du tun kannst, um trotz Leistungsdruck und Zukunftsangst mental gesund zu bleiben, erfährst du hier.

Depressionen im Studium: Die Zahl der Betroffenen steigt

Immer mehr Studierende sind von psychischen Erkrankungen betroffen. Dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung gemeinsam mit dem Deutschen Studierendenwerk zufolge ist der Anteil 2021 auf 65% gestiegen - innerhalb von 5 Jahren gab es einen Zuwachs von 12% (im Vergleich zu 2016). Eine beträchtliche Zahl leidet dabei unter depressiven Verstimmungen bzw. einer Depression. Vergleicht man das Jahr 2018 mit dem Jahr 2023 vergrößerte sich die Zahl der Betroffenen um fast 100.000 Studierende, Tendenz steigend. Dabei erkennen Ärzt*innen Depressionen inzwischen besser und Menschen sind heute stärker für das Thema Mental Health sensibilisiert. Gleichzeitig holen sich Student*innen mitunter eher Hilfe als früher, weshalb der Anstieg an Depressionen nicht nur negativ zu werten ist. (Das alles nicht zuletzt der Corona-Pandemie geschuldet.)

Grafik zu depressiven Episoden unter jungen Menschen

Definition und Arten der Depression

Depressionen galten in unserer Gesellschaft lange als großes Tabuthema. Und bis heute ist die Depression ein regelrechtes Stigma. Viele Menschen denken immer noch, depressive Menschen seien selbst "schuld" an ihrer Misere und müssten sich nur etwas mehr "zusammenreißen". Allerdings gibt es inzwischen auch viele Gegenbewegungen. So nehmen sich viele Youtuber*innen, Influencer*innen und Blogger*innen dem Thema an. Außerdem wurden die Hilfsangebote in den vergangenen Jahren stark ausgeweitet und Vereine wie "Aktiv gegen Stigma" treten für die Entstigmatisierung psychischer Erkankungen ein. Inzwischen herrscht in der Gesellschaft also eine größere "Awareness" für das Thema Depressionen. Doch was ist eine Depression überhaupt und welche Arten von Depressionen gibt es?

Laut der Deutschen Depressionshilfe ist die Depression "eine ernste Erkrankung, die das Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen tiefgehend beeinflusst, mit Störungen von Hirn- und anderen Körperfunktionen einhergeht und erhebliches Leiden verursacht. Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, können sich selten allein von ihrer gedrückten Stimmung, Antriebslosigkeit und ihren negativen Gedanken befreien." Depressionen können über einen längeren Zeitraum anhalten oder in Schüben auftreten. Im schlimmsten Fall kann sie zum Suizid führen.

Diese Formen von Depressionen werden unterschieden:

1) Unipolare Depression

Häufigste Form der Depression. Tritt einmalig oder wiederkehrend auf. Betroffene leiden mindestens 2 Wochen an Symptomen wie gedrückter Stimmung, Interessen- und Freudlosigkeit sowie Antriebslosigkeit und fallen für mehrere Wochen oder Monate in eine emotionales Tief. Mediziner*innen unterschieden hier leichte, mittelschwere und schwere Depressionen.

2) Winterdepression

Kann in der dunklen Herbst- und Wintersaison auftreten und ähnelt der Unipolaren Depression. Allerdings flachen die Symptome nach Frühlingsbeginn wieder ab.

3) Chronisch depressive Verstimmung

Sie ist zwar weniger stark ausgeprägt, kann Betroffene jedoch über Jahre hinweg begleiten. Eine pessimistische Grundstimmung, Grübelzwang, Selbstzweifel und Erschöpfungszustände sind besonders charakteristisch für die sogenannte "Dysthymie".

4) Bipolare Depression

Manische Phasen - also Phasen, in denen der oder die Betroffene äußerst aktiv, euphorisch oder gereizt wirkt - wechseln sich mit depressiven Phasen ab.

Woran merkt man, dass man Depressionen hat?

Dein Studium überfordert dich? Du hinterfragst ständig den Sinn deines Studiums? Kommst nicht aus der negativen Gedankenspirale raus? Du isst und trinkst viel zu wenig und kommst häufig nicht aus dem Bett? Du hast Schuldgefühle, weil sich dein Studienabschluss immer weiter verzögert, hast aber keine Kraft weiterzumachen? Wenn du solche Gedankengänge hast, könnten das erste Warnzeichen für eine Depression sein. Klar, wir alle haben schlechte Tage und hinterfragen uns einmal - vor allem wenn wir mal bei einer Prüfung durchgerasselt sind oder etwas nicht so lief, wie wir uns das vorstellten. Gelegentliche Selbstzweifel und Lustlosigkeit gehören zum Leben dazu. Werden Grübeln, Zweifeln, Freud- und Interessenlosigkeit jedoch zum Dauerzustand, sollte Hilfe in Anspruch genommen werden. Das sind Zeichen, die für eine Depression sprechen:

Hauptsymptome:

  • depressive, gedrückte Stimmung
  • Antriebslosigkeit
  • Erhöhte Ermüdbarkeit
  • Freudlosikgeit & Interessensverlust
  • Einschränkungen der Aktivitäten

Begleitsymptome:

  • Konzentrationsschwäche
  • vermindertes Selbstwertgefühl
  • Schuldgefühle & Gefühle von Wertlosigkeit
  • Schlafstörungen
  • Verminderter Appetit
  • pessimistische Zukunftsperspektiven
  • Suizidgedanken

Woher kommt die Depression im Studium & was passiert dabei im Körper?

Die Ursachen für eine Depression sind immer ein Zusammenspiel aus persönlicher Anlage und externer Umwelt. Die eigene Veranlagung kann eine Depression durchaus begünstigen. Das bedeutet, wenn es in deiner Familie Fälle von Depressionen gibt, hast auch du ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Depression. Was allerdings noch nicht bedeuten muss, dass du automatisch Depressionen bekommst, nur weil du eine gewisse Veranlagung dafür hast - denn hier kommt wieder die dich umgebende Umwelt mit ins Spiel.

Unser Umfeld übt einen riesigen Einfluss auf uns aus und ist ein entscheidender Faktor, wenn es um Depressionen geht. So können aktuelle psychische Belastungen wie berufliche oder private Probleme, finanzieller Stress, Leistungsdruck und Einsamkeit dazu führen, dass sich eine Depression einstellt. Gerade bei Student*innen kommen hier viele Risikofaktoren zusammen: Das Studium ist häufig von extremen Leistungsdruck, Existenzängsten, finanziellen Schwierigkeiten und Versagensängsten geprägt. Studien haben gezeigt, dass gerade bei älteren Student*innen die Sorgen häufig noch stärker ausgeprägt sind: Die Sorgen um die berufliche Zukunft werden mit jedem voranschreitenden Semester verstärkt.

Was geschieht nun eigentlich bei einer Depression im Körper? Medizinisch betrachtet handelt es sich bei der Depression um ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn. Das macht die ausgewogene Steuerung der Aktivität der Nervenzellen unmöglich. Die Folgen sind negative Gedanken, Antriebslosigkeit, Interessensverlust und eine gedrückte Stimmung. Wer an einer schweren Form der Depression leidet, benötigt meist Antidepressiva, um das Ungleichgewicht der Botenstoffe wiederherzustellen. Die sogenannten "Glückshormone" Serotonin und Noradrenalin sollen durch die Einnahme von Antidepressiva wieder angehoben werden.

Wie komme ich aus der Depression heraus & wo bekomme ich Hilfe?

Du bist mit Überforderung und Depression im Studium konfrontiert? Am liebsten möchtest du deine Bachelorarbeit abbrechen oder das Studium unterbrechen? Wenn du Anzeichen einer Depression bei dir feststellen solltest, ist es wichtig, Hilfe zu holen. Du musst dich nicht dafür schämen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Schließlich suchen wir bei körperlichen Erkrankungen auch den/die Ärzt*in auf und genauso sollten wir auch bei psychischen Problemen vorgehen.

Gleich vorweg: Depressionen lassen sich sehr gut behandeln. Zu den Hauptbehandlungssäulen zählen Antidepressiva einerseits und Psychotherapie andererseits. Als besonders hilfreich haben sich die kognitive Verhaltenstherapie und die tiefenpsychologische Psychotherapie herausgestellt. In der kognitiven Verhaltenstherapie lernst du zum Beispiel, falsche Denkmuster durch realistischere und positivere Gedanken zu ersetzen. In der tiefenpsychologischen Therapie werden Konflikte aus der Vergangenheit aufgearbeitet, die den aktuellen Problemen zugrundeliegen. An diese Stellen kannst du dich wenden, wenn du psychisch am Ende bist, Angst vor dem Studium hast oder dich depressiv fühlst:

  • Info-Telefon Depression: 0800/3344533
  • Psychologische Studentenberatung an deiner Universität: Du kannst die psychologische Studentenberatungsstelle kostenlos und vertraulich in Anspruch nehmen. Dort arbeiten bestens ausgebildete Psychotherapeut*innen, die dir sehr gut helfen können
  • Online-Beratung der Caritas: Fachleute der Caritas helfen dir anonym, kostenlos und sicher. Den Link findest du hier
  • Instahelp: Ein niederschwelliges Unterstützungsangebot, das vollkommen online ist. Gemeinsam mit professionellen Psycholog*innen findest du neue Wege und Lösungen. Den Link findest du hier
  • Selfapy: Anonyme und flexible Unterstützung in Belastungssituationen. Mit Online-Kursen, die auf der kognitiven Verhaltenstherapie basieren. Den Link findest du hier
  • Beratung und Selbsthilfegruppen speziell für Angehörige: Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e.V.

Tipps, die zusätzlich zur Therapie helfen

Der wichtigste Schritt im Kampf gegen die Depression im Studium ist es, sich professionelle Hilfe zu holen. Diese Dinge können dir zusätzlich zur professionellen Behandlung dabei helfen, die Depression in den Griff zu bekommen:

  • Mach regelmäßig Sport! Das hellt die Stimmung auf und steigert das Selbstwertgefühl
  • Begib dich aus deiner Comfort Zone und entdecke ein altes Hobby wieder oder finde ein neues Hobby!
  • Lobe dich auch für kleinere Erfolge
  • Ernähre dich ausgewogen! Gesunde Nüsse, Omega-3-Fettsäuren, Vitamine und Bitterstoffe bewirken oft wahre Wunder
  • Erstelle dir einen Zeitplan für das Studium. Teile dir genau ein, wann du was für die Uni erledigen willst und halte dich dran!
  • Rede mit Familien, Freunden, dem/der Partner*in! Tausche dich mit ihnen über deine Probleme aus - du wirst merken, dass du nicht alleine bist!

Fazit: Scheue dich nicht, Hilfe zu holen!

Das Student*innenleben kann uns wirklich an unsere Grenzen bringen: Versagensängste, Leistungsdruck und finanzielle Schwierigkeiten gehören oft zum Alltag dazu. Aus diesen Gründen kann das Studium eine Depression leider begünstigen. Solltest du erste Anzeichen einer Depression bei dir erkennen, scheue dich nicht, Hilfe zu holen! Die psychologische Studentenberatung, die Caritas und andere Organisationen haben immer ein offenes Ohr für dich - und das oft komplett kostenlos und anonym. Rede außerdem mit den Liebsten über deine Probleme - denn Schwächen offen zeigen ist wahre Stärke!